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 Birthright

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Shenox
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BeitragThema: Birthright   11.03.17 14:13

„Kennt man das? Wenn die eigenen Eltern einem vorkommen, als seien sie die Herrscher der Hölle höchstpersönlich? Ihr werdet lachen, aber so geht es mir ständig, Tag ein, Tag aus. Und das liegt bei mir nicht daran, dass ich wieder irgendwie etwas zerbrochen habe, wie damals als Kind, oder sie auf andere Art und Weise wütend gemacht habe, sondern eher daran, dass sie wahrhaftig die Herrscher der Hölle sind, was mich wohl zum Thronerben macht. Ob ich mit der Situation zufrieden bin? Nun, natürlich hatte dieses ganze Chaos seine Vorteile, aber es gibt immer eine Kehrseite der Medaille.“

Jin seufzte. Er war in seinem Zimmer, lag in seinem Bett. hatte die Decke angestarrt und wollte gerade einfach nur seine Ruhe, doch er wusste, dass diese nicht lange halten würde. Der junge Vampir wartete lediglich darauf, dass jemand an die Türe seines Zimmers klopfen würde und tatsächlich sollte er nicht lange warten.
Ein Klopfen. Er reagierte nicht.
Zwei Klopfgeräusche. Noch immer rührte er sich kein Stück.
Drei Klopfgeräusche. Würde die Person so weiter machen, würde die Tür nicht lange stehen bleiben.
Vergeblich wartete er auf ein viertes Klopfen, doch er wartete umsonst. Die Tür öffnete sich und seine Schwester stürmte ins Zimmer. Sie war nur ein paar wenige Jahre jünger als er, jedoch wusste er, dass sie den „Bitten“ ihrer Eltern eher nachgehen würde, als er selbst. Dies lag aber nicht nur daran, dass sie naiv war, sondern eher daran, dass Jin genau wusste, was für „Bitten“ das waren und er nichts damit zu tun haben wollte.
Die junge Frau baute sich genau vor ihm auf, schlug ihre Hände auf die Hüften und stapfte mit dem Fuß. „Warum antwortest du nicht, wenn jemand an die Tür klopft?“, brachte sie sauer hervor. Jin zuckte mit den Schultern. „Antworte mir wenigstens jetzt, Jin!“ Abermals zuckte er mit den Schultern. „Tu ich doch.“, spottete er. Er wusste genau, wie er seine kleine Schwester reizen konnte und er tat es nur viel zu gern. „Du fühlst dich wieder unfassbar lustig, kann das sein?“, giftete sie zurück. „Nein, Yui. Ich fühl mich nicht witzig, ich weiß, dass ich es bin. Wenn ich nicht deinen Humor treffe, tut mir das wirklich soooo furchtbar leid. Wirklich.“ Mit einer Handbewegung schloss er die Tür, die Yui beim Betreten des Zimmers weit hatte offen stehen lassen. „Warum liegst du hier einfach herum und tust nicht das, was dir aufgetragen wurde?“ Schon wieder zuckte Jin mit den Schultern. Würde er so weiter machen, würde Yui schon bald das Menschenklischee einer Dämonin erfüllen und rot wie eine Erdbeere sein. Bei dem Gedanken bildete sich ein Grinsen auf Jins Gesicht, was bloß einen seiner zwei Fangzähne zum Vorschein brachte. Yui rollte bloß mit den Augen, brabbelte noch irgendetwas unverständliches, bevor sie dann das Zimmer wieder verließ.

„Ja, wir sind eine komische Familie. Wenn beide Elternteile irgendwann mal Vampire waren und dann irgendwie an dämonische Kräfte kommen, kann es durchaus sein, dass ein Kind von Geburt an ein Vampir ist und eines ein Dämon. Natürlich bestand auch immer die Möglichkeit, dass wir beide ebenfalls irgendwas dazwischen geworden wären, so wie unsere Eltern, aber zwei Hybride aufziehen zu müssen, hätte sie sicher noch mehr Nerven gekostet. Zudem bin ich sehr froh darüber, bloß ein Vampir zu sein. Damit war ich hier unten einer der wenigen 'Normalen'.“

Der junge Vampir stand auf und schüttelte mit dem Kopf. Natürlich wurde sicher wieder irgendwas von ihm verlangt worden. Ruhe hatte er hier unten keine, denn warum sollten sich seine Eltern um jeden Mist kümmern, wenn sie dafür zwei Kinder hatten? Kinder war auch sehr untertrieben, denn beide waren schon erwachsen. Jin seufzte erneut, dann öffnete er die Tür zu seinem Zimmer, welche Yui beim Verlassen vor Wut zugeschlagen hatte, verließ sein Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Um auf Nummer sicher zu gehen, verschloss er die Tür, steckte den Schlüssel ein und ging langsam aber sicher in Richtung des Thronsaals. Der ziemlich lange Flur war in das selbe rote Licht getaucht, welches sich auf der Erde nur dann ereignete, wenn die Sonne am Zenit stand und bereit war, hinter diesem zu verschwinden. Hier war das absolut normal. Was auch immer seine Aufgaben gewesen waren, er hatte sie vergessen. Nicht, weil er wirklich vergessen war, sondern weil er sich für die Aufgabenbereiche der Hölle nicht wirklich interessieren konnte, selbst wenn er es versuchte. Am liebsten würde er einfach ein ganz normales Leben auf der Erde führen. Naja, so normal wie nur möglich für einen Vampir halt.

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BeitragThema: Re: Birthright   11.03.17 18:57

„Das Schlimmste an der ganzen Sache mit meinen Eltern ist ja nicht mal, dass sie sind, was sie sind, sondern eher die Tatsache, dass sie mal anders waren. Dämonische Kräfte formen den Geist um und aus deinem besten Freund kann plötzlich dein schlimmster Feind werden. Als sie hierher kamen und sich die Kräfte aneigneten, waren es noch liebende 'Menschen', die zwar schon leicht durch den Einfluss der Hölle korrumpiert worden waren, aber tief in ihrem Inneren waren sie noch sie selbst. Und nun sind sie endgültig so verkommen und verdreht im Inneren, dass sie sich selbst verloren haben und nun Luzifer und Lilith sind.“

Jin blieb vor der großen Tür, die in den Thronsaal führte, stehen. Er zögerte zunächst, klopfte dann allerdings an. Die Tür öffnete sich und er trat ein. Luzifer saß auf seinem Thron und starrte seinen Sohn an. „Was willst du, Jin? Hast du nicht zu tun?“ Jin verschränkte die Arme. „Nun... was meine Aufgabe angeht...“ Luzifer stand auf. Sein langes, weißes Haar fiel ihm dabei in Gesicht und verdeckte eine Hälfte. Er seuftze und sah Jin an. „Hast du etwa schon wieder vergessen? Dabei dachte ich, dass du ausgerechnet diese Aufgabe nicht vergessen würdest, wo du doch so ungern hier unten bei dem Rest deiner Familie bist.“ Luzifer ging langsam auf Jin zu und legte seine Hände auf Jins Schultern. „Du solltest hoch. Zur Erde. Schau dort einfach nach dem Rechten. Nachdem der Himmel uns angegriffen hatte und deine Mutter kurzzeitig entführt hatte, haben wir uns auf einen Waffenstillstand geeinigt – unter der Bedingung, dass die Erde komplett verschont wird. Ich persönlich bin zwar kein Freund der Sache gewesen, aber wenn es bedeutete, dass wir uns in Ruhe auf die Vorbereitungen für den nächsten Krieg konzentrieren konnten, war ich bereit, diesen Pakt einzugehen.“ Luzifer pausierte kurz, da er wusste, dass Jin sich nicht all zu sehr um seine Probleme sorgte und Jins Blick spiegelte das nicht nur wieder, sondern zeigte Luzifer zeitgleich, dass er zum Punkt kommen sollte. „Wie auch immer. Die Geschöpfe des Himmels sind mindestens genau so hinterlistig wie wir. Und du wolltest doch schon immer auf die Erde.“ Jin nickte. „Einverstanden. Ich schau nach dem Rechten.“ Er stimmte nicht nur zu, weil er es Leid war, seinem Vater zuzuhören, sondern weil er einfach nur hier weg wollte – und damit hatte sich ihm die beste Möglichkeit dafür ergeben. Er verbeugte sich vor seinem Vater, aus Respekt, den er eigentlich nicht hatte und verließ dann den Thronsaal wieder. Er schlug seine Hände hinter dem Kopf zusammen und ging mit einem Lächeln auf dem Gesicht langsam auf den Spalt in der Nähe zu.

„Spalte. Interessante Dinger. Sie sind quasi die Möglichkeit, von der Hölle auf die Erde zu kommen – oder gar hoch in den Himmel. Im Grunde genommen sind sie bloß eine sehr merkwürdige Art von Aufzug, wenn man es ganz grob nehmen möchte. Ich kann mich einmal daran erinnern, wie ich mit meiner Mutter durch einen dieser Spalte hoch auf die Erde bin. Was wir dort gemacht haben, weiß ich jedoch nicht mehr. Dann erinnere ich mich noch an das eine Mal, wo ich Yui in einen Spalt gestoßen habe und das für Panik in einem Dorf auf der Erde gesorgt hat. Sie kam weinend wieder und sprach danach mehrere Tage kein Wort mit mir. Obwohl ich es aus Spaß getan hatte, konnte ich dennoch nicht darüber lachen, als ich realisierte, wie sehr ich meiner kleinen Schwester damit weh getan hatte.“

Auf dem Weg zum Spalt lief Jin über Yuis Weg. „Wo willst du schon wieder hin, Jin?“, fragte sie ihn. Der Betonung der Frage nach hätte sie ihm am liebsten den Kopf abgerissen. Jin schüttelte den Kopf und seufzte nur. „Ich gehe meinen Aufgaben nach. Weil ich vergessen hatte, was ich machen sollte, bin ich zu Vater gegangen und habe ihn noch einmal gefragt. Er sagte, ich soll hoch auf die Erde. Mich einfach ein bisschen dort umsehen.“ Yuis Blick verwandelte sich in Sekunden von einem verärgerten, der andere Wesen locker töten konnte, zu einem geschockten. „W-w-warte was!? Du darfst hoch zur Erde? Das ist nicht fair!“ Nun war es Jins Blick, der sich veränderte. Überrascht sah er sie an. „Was willst du denn bitte da oben? Ich dachte, dir würde es hier unten gefallen.“ Nun sah Yui eher aus, als wäre sie den Tränen nahe. Sie schüttelte mit dem Kopf und sah ihrem Bruder in die Augen. „Wie kannst du so etwas nur glauben? Ich habe immer das, was Vater und Mutter von uns wollten gemacht, um hier so schnell wie möglich herauszukommen. Und nun kriegst du diese Chance.“ Jin zuckte mit den Schultern. Eigentlich hatte er recht wenig Lust darauf, diesen Vorschlag zu machen, aber er tat es trotzdem. „Lauf zu Vater und frag, ob du mich begleiten darfst. Ich warte hier solange.“ Zum dritten Mal wandelte sich der Blick Yuis, inzwischen strahlten ihre Augen. „Wirklich? Okay, ich bin sofort wieder da!“, sagte sie, fiel ihren Bruder mit einer kurzen Umarmung an und lief dann so schnell sie konnte in den Thronsaal. Jin bereute zwar jetzt schon, dass er diesen Vorschlag überhaupt ausgesprochen hatte, aber weil es Yui ähnlich schlecht hier unten ging, konnte er ihr diese Chance einfach nicht verwehren.

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Zuletzt von Yuki am 13.03.17 11:21 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Birthright   13.03.17 11:21

„Egal, wie sehr wir uns auch bemühen würden, vor unserem Schicksal wegzulaufen, es würde uns immer wieder einholen. Wir könnten laufen und laufen, aber sobald ein Elternteil sterben würde, müsste der nächste in der Reihe seinen Platz einnehmen. Würde mein Vater sterben, müsste ich mit einer 'Braut' dort unten übernehmen, würde es zuerst meine Mutter treffen, hätte Yui das selbe Problem. Die einzige Möglichkeit, die es gab, aus diesem Kreis auszubrechen war der selbe, den die beiden damals genutzt hatten, um selber an die Macht zu gelangen: Ein Duell, in dem beide Parteien ihr Leben aufs Spiel setzen würden, um an die Kräfte zu kommen.“

Mit verschränkten Armen an eine Säule gelehnt wippte Jin unruhig mit dem Fuß. Was ging im Thronsaal nur vor sich? Ein einfaches Ja oder Nein zu erhalten konnte doch nicht so lange dauern. Er lehnte den wippenden Fuß an die Säule, steckte etwas Kraft in diesen, stieß sich von der Säule ab und ging dann zum Thronsaal. Er war noch einige Meter davon entfernt, als er bereits das Flennen von Yui vernehmen konnte. „Das ist doch jetzt nicht deren Ernst, oder?“, dachte er sich und öffnete das Tor. Luzifer stand mit ausgestreckter Hand vor Yui, die auf dem Boden zusammengekauert saß. Jin streckte seine Hand aus und ließ ein Schwert erscheinen. „Was denkst du eigentlich, was du da tust, Vater?“ Er lief zu seiner Schwester und stellte sich zwischen die beiden. „Du erhebst also das Schwert gegen deinen eigenen Vater, was?“, bemerkte Luzifer, vollständig ohne irgendwelche Emotion in der Stimme. „Wenn es sein muss – ja.“, brachte Jin hervor, ohne überhaupt großartig über die Folgen nachgedacht zu haben. Luzifer lachte. „Also hat unsere Erziehung doch bei dir gewirkt.“ Jin schüttelte mit dem Kopf. „Das hat nichts mit eurer Erziehung zu tun, sondern mit meinem Gerechtigkeitssinn.“ Vielleicht war es genau die Ungerechtigkeit, die hier unten herrschte, die ihn nach etwas anderem streben ließ. Er sah seinem Vater weiterhin tief in die Augen und achtete darauf, dass dieser nichts dummes tun würde. „Yui, lauf. Wir treffen uns gleich am Spalt. Immerhin habe ich noch eine Aufgabe, der ich nachgehen muss.“ Sie nickte bloß, sagte kein Wort, stand dann auf und verließ den Thronsaal. „Also habt ihr euch letztendlich doch endlich vertragen, was?“ Jin antwortete nicht. „Schön für euch. Nun geh. Du sagtest doch, du hast noch eine Aufgabe und bisher hast du dich noch nicht vollständig gegen mich aufgestellt oder dich mir widersetzt. Wir möchten doch beide, dass es so bleibt, oder?“ Jin schnaubte bloß, ließ das Schwert welches er beschworen hatte wieder verschwinden und verließ den Thronsaal. Er wollte einfach nur noch weg, weg von diesem Ort und vor allem: weg von Luzifer und Lilith.

„Irgendwie... hatte ich Schwierigkeiten, mich sofort nach den Ereignissen im Thronsaal zu beruhigen. Ich wusste zwar nicht, was genau vorgefallen war, aber Yui musste irgendetwas getan haben, was Luzifer verärgert hatte. Noch nie hatten Luzifer oder Lilith ihre Hand gegen uns erhoben, egal wie sehr wir uns entgegen ihrer Regeln verhalten haben oder wir unsere Aufgaben nicht Ernst genommen haben. Was also war es gewesen, was Yui getan haben konnte, dass Luzifer seine eigene 'Brut' schlagen würde?“

Am Spalt angekommen sah er Yui auf einigen Taschen sitzen, ihr Blick schien förmlich durch die Wand zu schweifen, auf die sie starrte. Ohne etwas gesagt zu haben oder sie anders auf ihn aufmerksam gemacht zu haben konnte er bereits ohne ein gesprochenes Wort deuten, dass sie bereit war, von hier wegzulaufen. Er klopfte gegen die Tür, die den Raum mit der Treppe zur Erde vom Rest der Hölle abgetrennt hatte und erhielt somit Yuis Aufmerksamkeit. Ihre Wange war noch immer gerötet von der Ohrfeige, die Luzifer ihr verpasst hatte und stand somit im Kontrast zu ihrer sonst schneeweißen Haut. Sie stand auf, wischte sich eine Träne weg und fiel ihren Bruder erneut an. „D-danke, Jin. Dein Timing hätte nicht besser sein können. Hättest du nicht nachgesehen, wer weiß was sonst noch passiert wäre.“ Jin löste die Umarmung. „Keine Ursache.  Jetzt weiß ich nur umso mehr, dass es eine gute Idee war, dich mit auf die Erde zu nehmen. Wir hätten schon viel eher von zuhause weglaufen sollen.“ Natürlich wusste er, dass sie beide nicht weglaufen konnten. Vermutlich wusste Yui es ebenfalls. Aber Jin hatte einen Plan, er brauchte zwar noch etwas mehr Vorbereitung und wirklich gut durchdacht war er auch noch nicht, aber die grobe Struktur stand und würde es tatsächlich funktionieren, wären ihre Probleme demnächst schon Vergangenheit.

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BeitragThema: Re: Birthright   15.03.17 15:48

„Die Lebewesen der Erde selbst waren komische Wesen. Sie waren nicht in der Lage, Dämonen, Vampire oder sogar Engel von ihren eigenen Mitmenschen zu unterscheiden, solange sich diese nicht als solche vor ihren eigenen Augen zeigten. Demnach hatten Yui und ich eine gute Chance, uns dort problemlos unter das Volk zu mischen, da unsere Eigenheiten wie zum Beispiel meine Fangzähne solange verschwinden würden, bis ich mich einmal als Vampir zu erkennen geben würde.“

Am oberen Ende des Spaltes angekommen wurde Jin unruhig. „Was dauert denn da solange, Yui?“, fragte er seine Schwester, die mit ihren Gedanken scheinbar ganz wo anders war und sich deswegen nicht zu sehr auf das Treppensteigen konzentriert hatte. Ihr verwirrter Blick wanderte nun zu Jin und sie schien sich gefangen zu haben. „N-nichts. Ich dachte gerade nur über einige Sachen nach. Ich beeile mich ja schon.“ Jin zuckte mit den Schultern. „Ich geh schonmal raus. Pass auf, dass du nicht noch auf den letzten Metern stolperst.“ Gesagt, getan. Jin öffnete die Tür und verließ somit die Hölle. Sie waren so lange nicht sichtbar, bis wirklich niemand sie sehen konnte. So wurde versichert, dass sie nicht sofort als Dämonen angesehen wurden, weil sie plötzlich aus dem Nichts auftauchten, denn einen wirklich sichtbaren Zugang hatte die Hölle nicht. Anfangs hatte man den Zugang in Gräber gelegt, aber dies war ebenfalls ziemlich merkwürdig, wenn plötzlich Fremde eine Grabstätte verließen, die sie nie betreten hatten. Jin war mit den Gedanken jedoch wo anders: das satte Grün der Wiesen und Bäume hielt ihn im Bann, denn er kannte nur das 'Abendrot' der Hölle, das Plätschern eines nahegelegenen Bachs war eine wohltuende Melodie in seinen Ohren. Als er diesen Gedanken beendet hatte, trat der Gesang der Vögel ein. Anders als seine Schwester war er noch nie auf der Erde gewesen und hatte bisher nur Geschichten gehört. Ein Grinsen bildete sich auf seinem Gesicht und am liebsten wollte er so lange wie nur möglich bleiben. Er hatte sich auch materialisiert und war sichtbar, was bedeutete, dass außer ihm niemand hier war. Dann plötzlich erschien auch Yui. Ihr Aussehen hatte sich drastisch verändert, was aber vielleicht einfach daran lag, dass ihre Hörner und ihre Flügel nun verschwunden waren und sie im Ausgleich etwas längere Haare hatte. Ihre schneeweiße Haut hatte etwas mehr Farbe bekommen, um menschlicher zu wirken, aber dennoch war sie immer noch relativ blass. Yui war immer noch verwirrt und wirkte nun sogar noch irritierter, als sie Jins Lächeln sah. „Ach, stimmt. Du warst ja noch nie hier.“, erinnerte sie sich und musste ebenfalls lächeln.

„Ich habe bisher immer nur Geschichten gehört, doch keine der Geschichten hatte nur annähernd den Moment beschreiben können, den ich erlebt hatte, als ich aus dem Spalt trat. Dafür, dass die Welt noch vor etwa 25 Jahren kurz vor der Zerstörung gestanden hatte, war sie jetzt wieder erstaunlich bunt und lebhaft. Ich konnte in diesem Moment weder Mutter noch Vater verstehen. Warum wollte man eine Heimat wie diese einfach aufgeben? Und dann auch noch für Macht, die nicht sie kontrollierten, sondern von der sie kontrolliert wurden.“

Yui und Jin stolperten eine Weile durch die Landschaft, bis sie in einem kleinen Dorf angekommen waren. Anscheinend waren die Menschen hier beschäftigt mit dem Aufbau einiger Gebäude.  Mit den Armen hinter dem Kopf verschränkt lief Jin geradewegs auf den Baumeister zu. „Entschuldigen Sie bitte, ich bin auf der Durchreise und suche eine Bleibe, könnten sie mir da vielleicht weiterhelfen.“ Der Baumeister lachte. „Eine Bleibe? Hier? Die muss erst noch errichtet werden!“ Jins Blick beschrieb die Verwirrung in ihm perfekt. „Hm, okay. Meine nächste Frage wäre eh gewesen, wie ich mir ein paar Münzen verdienen kann, also frage ich geradewegs heraus: kann man Ihnen hier vielleicht für ein paar Münzen und eine Bleibe unter die Arme greifen?“ Abermals lachte der Baumeister. „Junge, wenn du uns hier hilfst, kannst du bleiben solange du willst. Wir können gerade jede Hilfe beim Wiederaufbau gebrauchen, die wir kriegen können. Als Dank würden wir dir ebenfalls ein kleines Haus errichten und euch beiden erst einmal finanziell helfen, bis ihr auf euren eigenen Beinen stehen könnt.“ Jins Lächeln kam wieder zum Vorschein. „Dann haben wir ja wohl eine Abmachung.“ Yui gefiel die Idee nicht wirklich, aber von ihr hatte man auch nicht verlangt, dass sie helfen würde. Dennoch entschied sie sich dazu, wenigstens ab und zu auszuhelfen.

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BeitragThema: Re: Birthright   29.03.17 10:34

„Menschen sind ein wirklich spannendes Volk. Selbst am Rande ihrer eigenen Auslöschung schafften es einige von ihnen einen kühlen Kopf zu bewahren und ihre Zivilisation, die bereits als verloren galt, wieder neu aufzubauen. Auch vor den Gefahren der Hölle und des Himmels haben sie keine Angst. Sie treten ihnen mutig und mit Respekt entgegen, oftmals sogar mit dem Gewissen, dass sie den Kampf nicht gewinnen können. Doch sie sind ein starkes Volk, wenn sie für andere kämpfen.“

Jin wischte sich mit der Rückseite seiner Hand einige Schweißtropfen aus dem Gesicht. Seit Yui und er hergekommen waren hatte er den Arbeitern ziemlich gut helfen können. Sie waren nicht mal einen Tag hier und dennoch hatten sie es geschafft, drei Häuser fertig zu errichten. Es waren lediglich simple Bauten, aber trotzdem wusste er, dass er den Menschen viel Arbeit abgenommen hatte. Er fühlte sich akzeptiert, etwas, was ihm in der Hölle komplett gefehlt hatte. Der Baumeister erschien hinter ihm und klopfte ihm auf die Schulter. „Jin, mach endlich eine Pause. Du arbeitest dich sonst noch zu Tode. Wir sind dir jetzt schon erstaunlich dankbar für das, was du getan hast, aber übertreib es bitte nicht.“ Jin grinste bloß. „Es ist wirklich okay, ich kann weiter arbeiten.“ Der Baumeister schüttelte mit dem Kopf, dann lachte er. „Dir ist wirklich nicht mehr zu helfen. Hol dir wenigstens deine Ration ab und iss etwas. Danach kannst du weiter arbeiten, wenn man das so nennen kann. Verdammt, ich weiß nicht einmal, wie jemand so effizient sein kann wie du.“ Jin nickte zustimmend. „Essen klingt gut. Dann mach ich wohl doch einmal eine kurze Pause.“ Jin hatte vergessen, dass er nun auch die selben Bedürfnisse hatte wie ein Mensch und ab und zu etwas essen musste. In der Hölle war dies lediglich optional gewesen, doch so lange er auf der Erde war und diese Maskerade aufrecht erhielt musste auch er sich stärken. Er ging zum Zelt, wo sie das Essen ausreichten und holte sich seine Portion. „Entschuldigen Sie, könnte ich vielleicht eine zweite Portion für meine Schwester haben? Sie ist ein wenig... eigen und sehr schüchtern.“ Er zeigte mit dem Finger auf die geistig abwesende Yui, die in der Distanz unter einem Baum stand und in die Ferne sah. Der Koch nickte bloß. „Sicher, ihr helft uns, wir helfen euch.“ Mit den beiden Portionen in den Händen verbeugte er sich dankend und ging dann rüber zu Yui.

„Lange würde ich diese Scharade nicht mehr spielen können. Das wusste ich bereits in dem Moment, wo der Baumeister mich daran erinnern musste, dass ich nun richtigen Hunger empfand, ohne zu wissen, wer oder was ich war. Ich würde an meiner Planung arbeiten müssen und das Verlangen, helfen zu wollen, zurückhalten müssen. Doch ich habe viel in der kurzen Zeit, die ich jetzt schon auf der Erde war, gelernt. Yui hatte sich fast die ganze Zeit distanziert. Anscheinend wusste sie, dass sie ihre Herkunft nicht lange verstecken konnte, würde sie den Menschen hier helfen, also hielt sie sich fern von ihnen.“

Langsam ging Jin auf Yui zu. „Hey“, sagte er nur knapp und gewann damit ihre Aufmerksamkeit. „Ich habe dir etwas Nahrung mitgebracht. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nun zwischenzeitlich immer mal etwas essen müssen.“ Yui nickte bloß dankend. Irgendetwas beschäftigte sie und Jin konnte sich bereits denken, was es war. „Es ist wegen Vater, richtig?“ Er pausierte kurz. Nein, es war nicht wegen ihren 'Eltern'. Es war wegen dem, was ihre Eltern geworden waren. „Entschuldige, ich meinte: es ist wegen Luzifer, richtig?“ Yui war dennoch erstaunt darüber, dass Jin Luzifer zuerst Vater genannt hatte. „Ja... Ich hätte nicht mit herkommen sollen. Vater wollte dies nicht und ich habe mich ihm widersetzt.“ Jin schüttelte mit dem Kopf und verschränkte daraufhin die Arme. „Und das war auch richtig so. Du bist ihre Tochter, nicht ihr Werkzeug. Du hast deinen eigenen Willen.“ Yui sah Jin verdutzt an. „Habe ich wirklich das Recht dazu?“ Sie war in diesem Moment eher ein kleines Kind als wirklich erwachsen, aber dennoch hatte die Frage Jin etwas verärgert, weshalb er gegen den Baumstamm schlug. „Selbstverständlich! Auch wenn du die Thronerbin bist, hast du nicht blind allem zu folgen, was man dir sagt. Krieg das endlich in deinen Kopf.“ Yui war verwundert über das, was Jin sagte, schüttelte dann aber mit dem Kopf und sah wieder in die Ferne. „Du hast leicht reden, Jin. Du bist nicht der Sohn von Luzifer und Lilith, sondern der Sohn derer, die sie einst waren.“

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BeitragThema: Re: Birthright   29.03.17 16:56

„Es war dieser Moment, in dem ich wieder an den Unterschied zwischen mir und Yui erinnert wurde. Sie hatte recht: ich war der Sohn zweier Vampire, sie die Tochter von Luzifer und Lilith. Obwohl wir technisch gesehen die selben Eltern hatten, war es auch irgendwie nicht so. Seit ihrer entgültigen Verwandlung interessierten sich meine Eltern nicht mehr für mich, da ich ein Teil ihrer Vergangenheit war, Yui jedoch ein Teil ihres jetzigen Daseins. Deswegen war Luzifer sicher auch so verärgert, dass Yui weg wollte. All die verdrehte Hoffnung, die die beiden Höllenfürsten hatten, steckten in Yui.“

„Du hast Recht. 'Das' sind nicht meine Eltern. Sie sehen nur so aus. Das ist auch der Punkt, warum ich so widerspenstig bin. Sie interessieren sich nicht für mich, du jedoch bist deren Hoffnung. DU sollst ihren Platz einnehmen, nicht ich. Erst wenn alle Stricke reißen werden, wird man mich in diese Position drücken.“ Jin hielt kurz inne. Yui sah aus, als wäre sie kurz davor gewesen, zu weinen. Jin setzte sich direkt neben seine Schwester und nahm sie in den Arm. „Entschuldige. Ich wollte nicht unsensibel sein. Versteh mich auch nicht falsch, ich bin nicht eifersüchtig auf dich oder so. Ich kann sogar eher ganz genau verstehen, warum du nicht in ihre Fußstapfen treten willst. Niemand der noch ansatzweise bei Sinnen ist würde dies wollen.“ Yui schien die Umarmung zu genießen, es war genau das Pflaster für ihre Seele, welches sie gerade gebraucht hatte. Das erste Mal in seinem Leben hatte Jin das Gefühl gehabt, ein guter großer Bruder zu sein, doch lange sollte dies nicht anhalten. Der Baumeister schien nach Jin gesucht zu haben, weil sie ein letztes Haus noch errichten mussten. Jin löste die Umarmung, fuhr seiner Schwester mit der Hand durchs Haar und lächelte dann. „Mach dir keine Sorgen. Das alles wird sich schon klären.“ Er lief den Hügel herunter, auf dem sich die beiden befanden und stand schon bald genau neben dem Baumeister. „Ist alles okay?“, fragte dieser besorgt. Jin nickte. „Ja, es ist einfach alles ein wenig schwer für uns. Wenn man seine Heimat verliert, ist das selten einfach, aber einige kommen besser damit klar als andere. Aber das brauche ich Ihnen ja nicht zu erklären.“ Der Baumeister verschränkte die Arme. „Was habt ihr alles verloren?“ Jin ballte seine Hände zu Fäusten und sein Blick verdüsterte sich. „...alles. Unsere Familie, unser Heim – und das schlimmste von allem: die meisten unserer Erinnerungen.“

„Ich wusste, dass ich den Baumeister gut genug angelogen hatte, er kaufte mir die Geschichte ab, die ich mir spontan in diesem Moment überlegt hatte. Er machte sich nun mehr Sorgen um uns und wollte mich nicht mehr weiter arbeiten lassen, doch ich bestand darauf. Ich wollte diesen Leuten unbedingt helfen, denn auch wenn meine Geschichte erfunden war, so wusste ich dennoch, wie es sich anfühlte, alles zu verlieren. Es war nicht meine Art, Fremden einfach zu helfen, aber diese Leute konnten jede Hilfe gebrauchen und als Ausgleich dafür einen eigenen Ort zum Leben zu erhalten war die Mühe wert.“

„Da wären wir.“, sprach der Baumeister. Den ganzen Weg vom Hügel bis ans andere Ende des Dorfes hatte Jin auf den Baumeister eingeredet und ihm klar gemacht, dass ihn nichts davon abbringen würde zu helfen. „Die letzte Baustelle für heute: euer neues Heim.“ Jin konnte seinen Ohren nicht trauen. „Ihr meintet das Ernst?“, fragte Jin, welcher völlig perplex war. „Selbstverständlich. Vor allem nach dem ihr – beziehungsweise du – uns so kräftig unter die Arme gegriffen hast. Aber eine Frage hätte ich noch.“ Der Baumeister wurde plötzlich ernst. „Du bist kein Mensch, Jin. Das weiß ich. Aber was bist du?“ Jin seufzte. Er checkte, ob noch jemand in der Nähe war und als er bemerkte, dass sie alleine waren, offenbarte er sich vor dem Baumeister. „Ein Vampir also. Nun, danke für deine Ehrlichkeit. Jetzt haben wir einen Grund mehr, dieses Haus für dich fertigzustellen.“ Jin war nach wie vor irritiert. Obwohl der Baumeister nun sein wahres Ich sehen konnte, wollte er dieses Haus nach wie vor für ihn errichten. „W... warum tut Ihr das für uns, obwohl ihr nun wisst, was ich bin?“ Der Baumeister lachte. „Ich weiß nicht, was es mit deiner 'Schwester' auf sich hat, aber du bist uns eine große Hilfe gewesen und auch nach wie vor eine große Hilfe. Ich kann dich nicht dafür verurteilen, was du bist. Es zählt lediglich der Charakter, den du an den Tag legst. Und anhand dessen war ich mir von vorne herein sicher, dass wir dieses Haus für euch bauen werden, egal was du bist.“

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BeitragThema: Re: Birthright   30.03.17 8:20

„Ich musste gestehen, ich hätte diese Form von Verständnis nicht erwartet. Wunden verheilen nicht leicht und viele von uns Vampiren hatten damals das ganze Chaos gestartet, weshalb ich eher mit Hass mir gegenüber gerechnet hatte. Dennoch durfte man nicht vergessen, dass auch viele Vampire übergelaufen waren und als Schutzpatronen der Menschheit für ihr Überleben gekämpft hatten. Mein Vater war damals ebenfalls ein solcher Vampir. Was genau ihn dazu verleitet hat, sich die Hölle unter den Nagel zu reißen weiß wohl nur er...“

Es dauerte nicht sonderlich lange, bis das kleine Häuschen, welches die Dorfbewohner zum Dank für die Hilfe errichten wollten, stand. Völlig überwältigt von seiner Arbeit stand Jin vor dem kleinen Häuschen. Am liebsten würde er das Haus nun betreten, in sein Bett fallen und schlafen, aber der Tag war noch nicht ganz vorbei. Deshalb hatten sich die Dorfbewohner dazu entschieden, ein kleines Fest zu feiern, immerhin hatten sie nun genügend Zeit  für Spaß, da sie sich nicht mehr auf das Tagesziel von errichteten Häusern konzentrieren mussten. Das Dorf war noch nicht vollständig wieder aufgebaut, aber die restlichen paar Häuser konnten noch einen Tag warten. Der Baumeister, welcher zur Planung des Festes verschwunden war, war zurückgekehrt und schlug Jin erneut auf die Schulter. „Mein Freund, ich danke dir. Wir haben heute viel mehr geschafft, als wir geplant hatten. Sag, wo ist deine Schwester?“ Jin nickte mit dem Kopf auf die Tür. „Sie ist im Inneren, ich weiß nicht genau was sie tut, aber vermutlich schläft sie. Die ganze Reise vorhin hat sie viel Energie gekostet, weil sie noch menschlich ist.“ Der Baumeister nickte. „Es ist schön zu sehen, dass es noch Leute gibt, die ihre Familie richtig wertschätzen können. Ich bete dafür, dass euch nichts Schlimmes passieren wird.“ Er pausierte nur sehr kurz, dann fasste er sich an die Schläfen und schüttelte mit dem Kopf. „Es gab ja einen Grund, warum ich her kam. Das Dorf feiert ein Fest und wir würden uns freuen, wenn ihr daran teilnehmen würdet. Ich weiß, es ist sehr spontan, aber ihr beiden habt uns extrem geholfen und demnach wäre ein wenig Freude für alle angebracht.“ Man merkte, dass der Baumeister nicht wirklich gut mit Worten umgehen konnte, aber das war Jin in dem Moment auch egal. „Ein Fest, ja?“ Er nickte und lächelte daraufhin. „Ich bin dabei! Ich werde schauen, dass Yui ebenfalls mitkommt, wenn es ihr besser geht. Vielen Dank für die Einladung.“ Der Baumeister lachte, dann wand er sich ab. Während er sich langsam distanzierte winkte er und sprach „Sehr gerne, aber nicht du hast uns zu danken.“ Dann war der Baumeister wieder weg und Jin betrat endlich das Haus, welches er für sich und seine Schwester erbaut hatte. Es war nichts wirklich besonderes, aber dennoch mehr als er sich hätte wünschen können. Neben dem Haus hatten sie auch die Inneneinrichtung in kürzester Zeit hergestellt und so konnte Jin sich in einen Sessel fallenlassen. Langsam machte ihm der Energieverlust zu schaffen, doch er wollte sich das nicht anmerken lassen. Wie er bereits angenommen hatte war Yui in ihr Bett gefallen und eingeschlafen. Er stand noch einmal auf, schloss die Türe zu ihrem Zimmer und fiel dann wieder in den Sessel.

„Wir waren nun eineinhalb Tage hier, aber dennoch fühlte ich mich hier wohler als jemals zu vor in meinem Leben. Die Dorfbewohner bemühten sich richtig, uns in ihrer Mitte willkommen zu heißen und ich genoss es richtig, endlich von jemandem wertgeschätzt zu werden. Doch musste ich auch gestehen, dass ich mir ziemliche Sorgen um Yui machte. Seit der Sache im Thronsaal ging es ihr zunehmend schlechter, was ich nur auf eine Sache schieben konnte: Luzifer musste vermutlich einen Fluch auf sie gelegt haben, bevor ich den Thronsaal betreten hatte. Ich hoffte, dass ich falsch lag. Vielleicht wurde ich lediglich Opfer von Paranoia.“

Auch Jin war kurzzeitig eingeschlafen. Als er am frühen Abend wachgeworden war, rieb er sich die Augen und stand aus dem Sessel auf. Er sah aus dem Fenster und sah bereits die Beleuchtung, die die Dorfbewohner für das Fest organisiert hatten. Er wand sich um und schaute direkt auf die offene Tür von Yuis Zimmer. Sie war nicht mehr da, vermutlich würde sie sich nur kurz die Beine vertreten. Dank ihrer speziellen Verbindung als Kinder der Höllenfürsten konnten sie sich auf eine kleine Distanz orten, weshalb er sich keine Sorgen um sie machte. Er konnte zwar nicht genau sagen, wo sie war, aber sie musste noch im Dorf sein. Jin streckte sich, zog daraufhin einen Mantel an und verließ die kleine Hütte. Nun, wo die Sonne kurz davor war unterzugehen, war der Wind zunehmend kälter geworden und das abgeschwächte Licht der Sonne konnte auch nicht mehr für genügend Wärme im Ausgleich sorgen. Er zitterte leicht, dann ging er langsam auf das Dorfzentrum zu. Aus irgendeinem Grund kam er nicht recht in Stimmung für ein Fest und kaum hatte er das Dorfzentrum erreicht, wusste er wieso. Alles, was er mithilfe der anderen aufgebaut hatte, stand plötzlich in Flammen.

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Shenox
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BeitragThema: Re: Birthright   30.03.17 8:56

„Ich wusste nicht, was ich fühlen sollte, als ich plötzlich sah, dass das ganze Dorf in Flammen stand und kurz nach meinem Erscheinen auf dem Dorfplatz konnte ich auch keinen der Dorfbewohner finden. Ich hatte ein schlechtes Gewissen bei der Sache, denn ich vernahm Yui stärker als vorher, sie musste also hier gewesen sein. Das war jedoch zweitrangig für mich, ich wollte zunächst einmal wissen, was mit den anderen Dorfbewohnern war. Yui würde sich selbst gut genug verteidigen können.“

Jin materialisierte sein Schwert erneut, irgendwas war faul an der ganzen Sache. Er spürte etwas nicht-menschliches in der Nähe und wusste, dass die Angreifer noch hier waren. Während er sich um sah, sah er wie der Baumeister mit einigen Kreaturen kämpfte, die wie niedere Dämonen aussahen. Ohne zu zögern sprintete Jin ihm entgegen und köpfte einen der Dämonen, als er den Baumeister erreicht hatte. „Jin!“, schrie dieser völlig außer sich. „Was ein Glück, dass du noch hier bist. Sie haben alle mitgenommen – auch deine Schwester.“ Jin hatte im ersten Moment nicht wirklich darauf geachtet, wie der Baumeister gekämpft hatte, noch weniger hatte er darauf geachtet, was er trug. Der kräftig gebaute Mann war nun nicht mehr bloß in Alltagskleidung gekleidet, sondern trug einen schimmernden Plattenpanzer und führte einen Zweihänder. „Ihr habt also auch etwas gehabt, dass ihr verschweigen musstet, Engel.“ Der Baumeister nickte. „Ja. Ich konnte mich dem Rest nicht offenbaren, da ihr Vertrauen in den Himmel ähnlich schlecht ist wie in die Hölle. Sie verstehen nicht, dass Gut und Böse nicht wie Schwarz und Weiß funktionieren. Auch in den Reihen der Engel sind böse Wesen, genau so wie es gute Dämonen gibt!“ Während er dies sagte, hatte der Engel weitere Dämonen niedergestreckt und schon bald waren sie restlos ausgelöscht. „Sag, Jin, was machst du wirklich hier? Ich kaufe dir deine Geschichte nicht mehr ab, egal wie gern ich das würde.“ Jin seufzte, es war inzwischen zu seiner standardmäßigen Masche geworden, wenn man ihn Sachen fragte, die er nur ungern beantworten würde. „Ich... ich weiß es nicht. Eigentlich wurde ich von meinem 'Vater' höchstpersönlich hergeschickt, um zu kontrollieren, dass der Himmel sich nicht gegen die Hölle aufstellt, aber ich hatte es lediglich als Vorwand genutzt, aus der Hölle zu entkommen.“ Der Engel pausierte. „Dein... Vater? Luzifer?“ Jin hielt inne. „Ja... und nein. Ich bin der Sohn derer, die nun zu Luzifer und Lilith geworden sind. Mit den Höllenfürsten habe ich direkt also nichts zu tun.“ Der Engel verschränkte die Arme und zog eine seiner Augenbrauen hoch. „Also bist du der Sohn der Helden, die einst das Gleichgewicht in diese Welt zurückgebracht hatten, bevor sie dem Bösen verfallen sind. Das erklärt einiges.“ Jins Blick ließ den Engel wissen, dass Jin viele Fragen hatte. „Du musst sehr jung gewesen sein, als sie das wurden, was sie nun sind. Ich werde dir ihre Geschichte erzählen, sobald wir die anderen gerettet haben. Ich habe mich nie vorgestellt, aber nun ist es Zeit. Mein Name ist Imperius.“ Jin zuckte zusammen. „DER Imperius? Einer der Erzengel!?“ Imperius nickte. „Auch der Himmel hat Soldaten ausgesandt, die kontrollieren sollten, was die Hölle plant. Wir wissen von eurem Portal hier in der Nähe, deswegen entschied man sich dafür, einen unserer besten Männer herzuschicken, um die Sache unter Kontrolle zu halten. Aber eine Kleinigkeit haben wir dabei übersehen.“ Jin verschränkte nun ebenfalls die Arme. „Du nimmst doch nicht an, dass Yui und ich Schuld an diesem Angriff tragen, oder?“ Imperius schüttelte mit dem Kopf. „Nein. Auch wenn eine Dämonin und ein Vampir, die einfach in ein kleines Dorf stolzieren schon sehr auffällig sind, so waren es doch die Dorfbewohner selbst, die für diesen Angriff die Schuld tragen. Ihr Glaube hat sie hinter das Licht geführt, direkt in die Arme der Finsternis. Diese... Wesen entspringen aus den Seelen jener, die ihr Leben bereits aufgegeben haben.“

„Natürlich wusste ich, dass Imperius recht hatte. Ich hatte häufig genug mit diesen Mistviechern zu tun, als ich sah, WIE sie in der Hölle herangezüchtet wurden. Aus den verdorbenen Seelen Verstorbener hatte man sie gezüchtet und mit Seelen jener gefüttert, die man mit seiner eigenen Hand ermordet hatte. Diese Dämonen waren bei weitem ekelhafteste, was ich jemals selber zu Gesicht bekommen durfte, aber sie konnten sich nur dann erscheinen, wenn jemand vor hatte, sich rituell selbst zu opfern.“

Jin nickte bloß. „Du weißt also etwas über diese... Wesen?“ Jin nickte erneut. „Leider. Sie können diese Welt nur dann betreten, wenn ein Wirt bereit ist, sich zu opfern – entweder durch eigene Hand oder durch die eines anderen Kultisten. Wir sollten dringend nach Hinweisen, die für einen Kult in diesem Dorf sprechen, suchen, bevor uns hier alles niederbrennt.“ Imperius nickte. „Wir sollten uns sputen. Wir treffen uns hier, sobald die Sonne vollständig untergegangen ist. Das sollte doch für den Sohn zweier Helden genügend Zeit sein, oder?“ Jin lachte und nickte bloß bestätigend. Daraufhin teilten sie sich auf und fingen an, die brennenden Häuser zu durchsuchen. Es dauerte nicht lange, bis sie fündig wurden. In der örtlichen Kapelle hatte man sich nicht sonderlich viel Mühe gegeben, den schon länger geplanten Ritualmord zu verstecken, jedoch brauchte man dies auch nicht. Auf dem Eingang lag eine Barriere, die jedes himmlische Wesen davon abhielt zu sehen, was tatsächlich im Inneren vor sich ging. Da Jin jedoch ein Wesen der Hölle war, konnte er klar und deutlich sehen, was hier vor sich ging. Kaum hatte er die Kapelle betreten, fiel die Tür hinter ihm zu. Er wusste, dass er in einen Hinterhalt geraten war, aber er hatte die Barriere auflösen können, also sollte Imperius nun auch in der Lage gewesen sein, die wahren Machenschaften der Dorfbewohner zu erkennen. „Soso, der Vampir höchstpersönlich taucht auf. Was wollt ihr hier? Unsere Meisterin ist nicht hier.“ Jins Blick verdüsterte sich. „Zeigt euch, Feigling.“ Die Stimme lachte. „Sehr gern.“ Genau vor ihm erschien ein Kultist, gekleidet in eine dunkle Robe. „Eure... Schwester. Ich sprach vorhin von eurer Schwester. Luzifer war freundlich genug uns wissen zu lassen, dass seine Tochter in diesem Dorf war, weshalb wir den Angriff starten konnten. Jeder, der sich uns nicht anschließen wollte, wurde entführt. Wie ihr jedoch entkommen seid, ist mir ein Rätsel. Eure Schwester mussten wir jedoch ebenfalls mitnehmen, sie hatte sich geweigert, uns zu helfen. Wir werden sie noch brechen und ihr zeigen, welche Macht sie besitzt.“ Jin hatte größte Mühe, nicht aus der Haut zu fahren und den Kultisten auf der Stelle niederzustrecken, doch letztendlich kam er nicht gegen seine Wut an und ein Zischen durchschnitt die Luft, dicht gefolgt von einem stumpfen Schlag. Der noch immer widerlich grinsende Kopf des Kultisten lang nun neben dem kopflosen Körper. Imperius betrat daraufhin die Kapelle. „Gab es irgendwelche Schwierigkeiten, Jin?“ Dieser nickte bloß, bevor er zu Wort kam. „Sie haben Yui entführt und haben vor, sie zu foltern, bis sie bereit ist, das Thronerbe anzutreten. Wir müssen eingreifen. Ich hoffe, ihr unterstützt mich, Engel.“ Imperius trat näher an ihn heran und klopfte ihm wie gewohnt auf die Schulter. „Du hast mir bewiesen, dass du meines Vertrauens würdig bist, Vampir. Selbstverständlich werde ich dir helfen, deine Schwester vor dem Bösen in ihr zu retten.“

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